19.02.2015

Landespolitik verhindert erfolgreiche Sanierung des Flughafen Hahn

Gastbeitrag von Dr. Heinz Rethage (Ehemaliger Hahn-Geschäftsführer)

Sanieren oder nicht sanieren – das ist die Frage, die sich zu Beginn einer jeden Sanierung stellt. Bevor die eigentliche Sanierung beginnt, müssen eine gründliche Analyse des Ist-Zustandes sowie ein klares Ziel vorliegen. Eine Sanierung ohne eine eindeutige Erfolgsperspektive ist keine Sanierung, sondern ist schlicht eine Insolvenzverschleppung.

Nach einer solchen Analyse auf der Kosten- und Erlösseite habe ich eine Erfolgsperspektive für den Flughafen Hahn gesehen und sehe sie nach wie vor. Dazu müssen allerdings bestehende Geschäftsmodelle hinterfragt, neue Geschäftsfelder erschlossen, Kosten reduziert und es muss auch investiert werden. Ein Sanierungsprozess besteht aus vielen Einzelschritten, die zeitlich gut aufeinander abgestimmt sein müssen. Aber die wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Sanierung sind: Man muss es können und man muss es wollen.

Der Sanierungsprozess am Hahn begann auch sehr erfolgreich, so haben wir in relativ kurzer Zeit mehrere Millionen Euro an Kosten eingespart. Diese positive Aufbruchsstimmung und Dynamik wurde allerdings nicht weitergeführt. Vielmehr hat man sich in der Landesregierung mit dem Status quo arrangiert, und das ist eine fatale Fehlentscheidung, die zu Lasten der Beschäftigten vor Ort aber auch der Steuerzahler geht. Was dem Hahn fehlt, ist die unternehmerische Kreativität. Der Staat ist in seinen Entscheidungsstrukturen von der Verwaltung her geprägt. Das färbt auf staatliche Projekte ab – und der Flughafen Hahn ist ein solches. Die Bereitschaft, Neues auszuprobieren und unternehmerisch zu denken und zu handeln, ist in staatlichen Strukturen kaum vorhanden. Damit ist es sehr schwer, die notwendige unternehmerische Dynamik in den Flughafen Hahn zu bringen.

Dabei hat die FFHG große Chancen, die „schwarze Null“ zu erreichen. Beispielhaft hierfür ist der Kostentreiber Personalausgaben. Im Jahr 2010 hatte der Flughafen rund 400 Mitarbeiter, mit denen 3,5 Mio. Passagiere abgefertigt und 229.000 Tonnen Fracht abgewickelt wurden. Bis 2014 ging die Anzahl der Passagiere auf 2,5 Mio. und das Frachtvolumen auf 133.000 Tonnen drastisch zurück. In Verkehrseinheiten (VE) ausgedrückt, reduzierte sich die Anzahl von ca. sechs Mio. VE auf ca. vier Mio. VE. An der Anzahl der Mitarbeiter hat sich aber praktisch nichts geändert!

Zwar will die Politik mittel- bis langfristig rund 100 Stellen abbauen, aber das soll sozialverträglich passieren, d.h. auf freiwilliger Basis. Wer nicht gehen will, wird weiterbezahlt – auch wenn der Flughafenbetrieb es nicht erfordert. Hier stecken von der Politik hingenommene Verluste in Millionenhöhe, die die Existenz des Flughafens gefährden. Dagegen würde jeder private Unternehmer die Personalstruktur schnellstmöglich auf das notwendige Maß reduzieren. Dazu kommt noch: Die Bezahlung der Hahn-Angestellten richtet sich nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes. Wenn 2015 ein neuer Tarifvertrag ausgehandelt wird, profitieren die Hahn-Angestellten gleich mit. An eine baldige Senkung der Personalkosten glaube ich daher nicht.

Notfalls ohne Ryanair

Der Hahn ist ein Passagierflughafen. Im Wesentlichen ist er mit der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair von einem Unternehmen abhängig, das aber nicht einmal kostendeckende Gebühren zahlt! Gleichzeitig ist das Umfeld im Bereich der Fluggastabfertigung nur wenig attraktiv. Damit scheidet der Standort für Fluglinien mit gehobenen Ansprüchen aus. Die Investitionsverweigerung der Landesregierung im Bereich der Flughafengebäude kettet den Hahn an Ryanair. Trotzdem schafft es die FFHG nicht, Ryanair, das hohe Umsatzrenditen einfährt, zu auskömmlichen Preisen zu bewegen. Und die Landesregierung hat schlicht nicht den Mut, über einen reinen Frachtflughafen nachzudenken, der weit wirtschaftlicher wäre, als das derzeitige Modell mit Ryanair.

Doch das ist nicht alles. Neben dem unmittelbaren Flugbetrieb sollten auch neue Geschäftsfelder erschlossen werden – aber das wird nicht konsequent genug getan. So wurde die Frachtanbindung zum Flughafen Frankfurt, dem Flugfrachtzentrum in Deutschland schlechthin, nur ungenügend umgesetzt. Ich hatte damals den Einsatz von sogenannten Gigalinern, also übergroßen LKWs, vorgeschlagen, um den Frachttransport zwischen Frankfurt und Hahn zu intensivieren. Auf diese Weise hätte der Hahn die Vorteile des 24-Stunden-Betriebs mit Frachtflügen und den geringeren Gebühren voll ausspielen können.

Weiter könnte die FFHG den Busbahnhof für “kleines“ Geld erwerben, Konzessionen an die Busunternehmer vergeben und so für ständige Einnahmen sorgen. Ferner gibt es einen zusätzlichen Bedarf für eine Tank- und Rastanlage. Hierfür könnte die FFHG auf ihrem Gelände eine Fläche ausweisen und eine Konzession vergeben. Auch hierdurch könnten dauerhafte Einnahmen am Rande des Flughafengeschäftes erzielt werden. Möglichkeit um zusätzliche Einnahmen generieren zu können, liegen förmlich auf der Straße. Aber es fehlt der Wille, diese zu nutzen.

Die wenigen Beispiele zeigen, dass unternehmerische Entscheidungen durch politische Entscheidungen ersetzt werden – und die machen dem Hahn das Leben schwer. Die Grünen in der Landesregierung lehnen den Flugverkehr aus ideologischen Gründen ab und deshalb liegt die weitere Entwicklung am Flughafen Hahn auf Eis. Eigentlich notwendige Investitionen bleiben aus und der Standort wird auf Verschleiß gefahren. Gerade der Sanierungsstau ist ein sehr großes Problem. Wer daran Zweifel hat, muss sich nur auf dem Flughafengelände umsehen.

Die Politik der Landesregierung ist eine besonders teure und besonders unfaire Art der Abwicklung des Standortes. Da sie formal zwar den Flughafen weiter unterstützt, ihm jedoch mit ihren Rahmenentscheidungen das Überleben quasi unmöglich macht. Der Hahn hat großes Potential und bietet vielfältige Chancen. Um diese zu nutzen, wären nicht nur Einschnitte sondern auch Investitionen erforderlich. Ebenso werden Profis mit unternehmerischen Weitblick und Handlungsfreiheit benötigt. Der Flughafen könnte wieder ein Wirtschaftsmotor für die ganze Region sein und vielen Menschen sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze bieten. Unter einer Landesregierung, welche die richtigen Entscheidungen trifft, die notwendigen Investitionen tätigt und mutig neue Geschäftsfelder auf- und ausbaut hätte der Hahn eine sehr gute Zukunftsperspektive. Unter Rot-Grün hat er keine.