Blumen, Blüten und Bilanzen
Warum der BdSt die Landesgartenschau Landau 2015 kritisch sieht
Die Landesgartenschau Landau in 2015 verlief besser als geplant. Bei rund 800.000 Besuchen kamen mehr Menschen nach Landau, als erwartet wurde. Entsprechend niedriger fiel das Defizit der grünen Blütenpracht aus, das „nur“ 4,5 Mio. Euro betrug. Doch müssen Gartenschauen wirklich sein?
Ein ganz so großer Erfolg wie 2008 in Bingen wurde die Landesgartenschau Landau in 2015 nicht. Damals kamen mehr als doppelt so viele Besucher wie geplant. Doch immerhin: Trotz einer Hitzeperiode im Sommer, einem verregneten September und einem unüblich kalten Oktober verbuchte die Blumenschau 200.000 Besuche mehr als kalkuliert, insgesamt waren es 800.000. Die örtlichen Gastronomen freute es: Die Gäste- und Übernachtungszahlen sind durchschnittlich um sieben Prozent verglichen zum Vorjahr gestiegen.
Die Gartenschau war ein grünes Großereignis. Hierzu wurde ein 27 Hektar großes ehemaliges Kasernengelände in ein „gartenarchitektonisches Kleinod“ mit Wohnquartier umgebaut. Unter anderem wurde ein 25 Meter hoher Aussichtsturm errichtet, 1.000 Bäume gepflanzt und viele Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg von dem Militärareal geborgen und entschärft. Wegen den Bombenfunden wurde die Gartenschau um ein Jahr verschoben, allein das verschlang etwa 900.000 Euro. Die Kampfmittelräumung kostete über eine Mio. Euro.
Investitions- und Durchführungshaushalt
Die Bilanz der Landesgartenschau ist zweigeteilt. Zum einen gibt es den Investitionshaushalt, der die Kosten für die Stadtteilentwicklung verbucht. Darunter fallen Investitionen z.B. in den Hochbau, in die weitläufigen Parkanlagen und Baunebenkosten. Die tristen Kasernen wurden saniert und als neues „grünes“ Stadtviertel mit 900 Wohnungen entwickelt. Die Investitionen der öffentlichen Hand betrugen rund 18,4 Mio. Euro. Davon zahlte das Land Rheinland-Pfalz knapp 13 Mio. Euro, den Rest die Stadt Landau. Land und Stadt rechnen mit privaten und öffentlichen Folgeinvestitionen in Höhe von rund 400 Mio. Euro.
Für die Landesgartenschau selbst als Veranstaltung existiert ein Durchführungshaushalt. Darin sind die Einnahmen u.a. aus dem Kartenverkauf, aus Verpachtungen und Lizenzen sowie Sponsorengelder erfasst. Insgesamt fielen Einnahmen in Höhe von 9 Mio. Euro netto an. Die Ausgaben z.B. für temporäre Bauten, für die Pflege der Blumenbeete, für Werbung und Personal betrugen netto rund 13,5 Mio. Euro. So kommt ein Betriebsverlust von 4,5 Mio. Euro zu Stande, den der Gastgeber Landau zu tragen hat.
BdSt-Fazit:
Sei es in Trier 2004, in Bingen 2008 oder in Landau 2015 – eine Landesgartenschau führt zu einer positiven Veränderung des Stadtbildes. Die Politik nutzt Gartenschauen gerne als Motor der Stadtentwicklung. Das hört sich gut an und scheint auf den ersten Blick richtig zu sein. Allerdings stellen sich Fragen: Warum muss eine Blumenschau als Vorwand für Infrastrukturpolitik herhalten? Hätte Landau mit Hilfe des Landes das brachliegende Kasernengelände nicht ebenso sanieren können, wenn es keine Landesgartenschau gegeben hätte? Auch dann hätte die öffentliche Hand 18,5 Mio. Euro investieren können, damit sich das aufstrebende Landau rascher entwickeln kann als ohne Steuergeld. Die pfälzische Stadt hat einen Einwohnerzuwachs, die neuen Wohnungen und die zusätzlich entstandenen Arbeitsplätze werden fraglos gut tun. Das Defizit von 4,5 Mio. Euro aus dem grünen Event schmerzt hingegen – dieses Geld hätte in Landau sicherlich sinnvoller und nachhaltiger investiert werden können. Doch so wird der städtische Haushalt unnötig belastet. Gelernt hat das Land daraus nichts. Die nächste Blümchenschau wird 2022 kommen. Wo sie stattfinden wird, ist noch nicht entschieden.
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Foto: Landesgartenschau Landau 2015
