BdSt vor Ort
Ortsumgehung Obersimten wird unter die Lupe genommen 
Vorher Ortsumgehungen sind immer schwierige Geburten. Die Anwohner im Ortskern werden vom Verkehr entlastet und freuen sich dementsprechend über den Umbau. Anwohner in der Ortsrandlage dagegen haben den Verkehr dichter am eigenen Heim. Hinzu kommt, dass eine Straße außerhalb der Ortschaft schneller befahren werden darf und dadurch der Lärmpegel steigt. Diese positiven und negativen Effekte (von Umweltaspekten einmal völlig abgesehen) gilt es abzuwägen und eine Entscheidung zu treffen. Im Fall der kleinen Gemeinde Obersimten vor den Toren von Pirmasens fiel die Entscheidung zugunsten der Ortsumgehung. Zum einen soll es nun ruhiger werden im Bereich der früheren Ortsdurchfahrt. Zum anderen soll die Sicherheit für alle Anwohner erhöht werden.

Nachher Bei einer Besichtigung des Projektes stellen sich dem kritischen Beobachter schnell Fragen. Zunächst grundsätzlich: Muss man für 652 Einwohner eine Umgehung an einer Straße bauen, die Pirmasens (41.358 Einwohner) mit fünf kleinen Orten von insgesamt 5.000 Einwohnern verbindet? Und selbst wenn diese Frage bejaht wird, warum muss auf halber Strecke ein Brückenwerk über einen Wirtschaftsweg gebaut werden, wo doch an beiden Enden der Umgehung Einfahrten auf das Wirtschaftswegesystem vorhanden sind? Laut Auskunft des Landesbetriebes Mobilität hat allein das Brückenwerk 430.000 Euro gekostet. Dies sei nötig gewesen, so die Verkehrsbehörde, weil das Wirtschaftswegesystem für den landwirtschaftlichen Verkehr erhalten werden soll, dass durch die Ortsumgehung zerschnitten wurde. Aufgrund der Hanglage der Straße sei eine höhengleiche Querung, also eine normale Kreuzung, nicht möglich gewesen. Doch nur wenige Meter von der Brücke entfernt befindet sich eine höhengleiche Querung, die durch Aufschüttungen an beiden Seiten der Straße unbrauchbar gemacht wurde. Diese hätte man erhalten können und so auf das aufwendige Brückenwerk verzichten können.
Der Weg, den die Brücke überspannt, kann auch nicht als notwendig für das dahinter liegende Gebiet erachtet werden. Zum einen gibt es ja am Anfang und am Ende der 1.450 Meter langen Umgehung Zufahrten in das Wegesystem. Zum anderen ist das neben der Brücke neu gebaute Regenbecken so dicht an der Straße, dass eine Leitplanke und eine sehr enge Kurve eingebaut werden mussten. Dadurch wird die Durchfahrt unter der Brücke für größere Fahrzeuge, zum Beispiel für Holztransporte oder größere landwirtschaftliche Geräte, unmöglich. Hinzu kommt, dass das Gebiet seit Jahrzehnten nicht landwirtschaftlich genutzt wird. Es werden am Ende alle, abgesehen von ein paar Spaziergängern, die außen liegenden Einfahrten nutzen. 
Einweihung November 2009


